Osterbrief 2020 Bezirk Zschopau

Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Joh 20,19

Liebe Geschwister,

dieser Brief erreicht Euch hinter fast verschlossenen Türen. Wir feiern Ostern in ungekannter Art und Weise – jeder für sich, eben hinter verschlossenen Türen.
Und in die sonst so viel besagte Osterfreude mischt sich die Sorge um die Zukunft. Wird es nach dem 20. April wieder eine Öffnung der Sperren geben? Wie wird es weitergehen?
Damals lebten die Jünger auch in Angst und Sorge, zogen sich zurück und wussten nicht, wie es weitergeht… Gut, die waren immerhin mindestens elf Leute zusammen, aber sonst war die Situation wohl ähnlich.
Wir, die wir die Ostergeschichte und auch die Vorgeschichte gut kennen, neigen ganz schnell dazu, mit Unverständnis auf die Angst der Jünger damals zu schauen. Jesus hatte doch mehrmals sein Leiden und Sterben angekündigt und dazu auch gleich gesagt, dass er am dritten Tag auferstehe würde (Lk 24,7). Warum nehmen die das denn nicht für bare Münze? Außerdem haben doch schon die Frauen und einige Jünger das leere Grab gesehen!
Das ist mal wieder so eine Stelle, wo ich ganz vorsichtig mit schnellen Urteilen wäre. Auch uns ist so manches gute Wort von Jesus gesagt – nehmen wir es für bare Münze?

Joh 16,33: In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.

Mt 6,32: Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen [worum ihr euch sorgt] bedürft… 34 Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.

Auch wir kennen die Geschichte um Ostern, die Auferstehung Jesu. Wir kennen seine Worte. Also warum sind wir so unsicher und ängstlich?
Das leere Grab allein – das Osterfest und seine Symbole – machen noch keine Auferstehungsfreude und bewirken keinen Glauben (siehe auch Mk 16,8). Aber das ist ja auch nicht das Wichtigste an Ostern. Viel mehr Eindruck hinterließ damals die Begegnung mit dem Auferstandenen.
Im Johannesevangelium wird berichtet, wie Jesus mitten unter die Jünger tritt. Trotz Angst und Sorgen und durch verschlossene Türen hindurch tritt Jesus mitten unter sie und spricht ihnen zu „Friede sei mit euch“. Danach, nach dieser Begegnung, wurden die Jünger froh.

Wir sitzen nun auch hinter verschlossenen Türen. Ostern ist dieses Jahr kein Gemeindeereignis und kein Familienfest. Alles ist anders. Aber eins bleibt: Jesus lebt. Denn

Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden!

Das hat sich in zwei Jahrtausenden nicht geändert und daran wird auch 2020 nichts ändern!
Und Jesus will dir begegnen, dir zusprechen „Friede sei mit dir“. Vielleicht ist ja dieses Jahr gerade dafür Raum da. Raum, der nicht von vielen Feierlichkeiten und Veranstaltungen anderweitig eingenommen wird.
Ich wünsche uns allen, dass wir dort, wo Jesus uns seinen Frieden zuspricht, zu innerer Ruhe kommen können und echte Freude erfahren. Ich wünsche uns, dass dieser Friede uns auch äußerlich erreicht und wir das Eingreifen Jesu in diese Zeit so erfahren wie das Frühlingserwachen in der Natur.
Lasst uns neben diesem Zugesprochenen Frieden aber auch noch hören, wie Jesus seine Jünger – und damit uns – zu den Menschen sendet. Bringt diesen Frieden, diese Ruhe, das Vertrauen in seine Macht zu den Menschen. Gerade in diesem Jahr.

Ich wünsche Euch in diesem Sinne ein gesegnetes Osterfest und ich wünsche Euch, dass Euch Jesus gerade hinter Euren „geschlossenen Türen“ neu begegnet.

Euer Frank Hecker

PS:
Die „geschlossenen Türen“ unserer Zeit werden ja durch so manche Kommunikationsmittel abgefedert. Vergesst einander nicht. Auch ein „Besuch“ am Telefon wird von vielen sicherlich dankbar angenommen.
An einigen Orten konnten wir uns als Gemeinschaften über Telefon- oder Videokonferenzen treffen. Das werden wir auch weiter tun.
Neben der wöchentlichen Andacht, die ich im Internet zur Verfügung stelle
(lkg-bezirk-zschopau.de) gibt es jetzt auch eine Möglichkeit, die letzte Andacht am Telefon unter 0345 483 41 2549 zu hören.
Bitte meldet euch, wenn ihr Hilfe ein Gespräch oder Gebet braucht und bleibt damit nicht allein.

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